Oxidativer Stress wird durch freie Radikaleverursacht, die durch ihre Reaktionsfreudigkeit Elektronen von anderen Molekülen stehlen und dadurch Zellschäden, Entzündungen und Alterungsprozesse fördern. Symptomen wie chronische Müdigkeit und Erschöpfung sowie häufige Infektionen sind typisch - auch zahlreiche Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurodegenerative Erkrankungen werden mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht. Während freie Radikalein kontrollierten Mengen eine wichtige Rolle im Immunsystem und bei Signalprozessen spielen, führt ein Ungleichgewicht zu gesundheitlichen Problemen.Hauptursachen für oxidativen Stress sind Umweltfaktoren wie UV-Strahlung, ungesunde Ernährung, Stress und Schlafmangel, während Antioxidantien aus Obst, Gemüse und gesunden Fetten dagegen wirken können.
Matthias Salewski: Oxidativer Stress wird durch freie Radikale verursacht. Diese Moleküle oder Atome besitzen ein ungepaartes Elektron, was sie sehr reaktionsfreudig macht. Freie Radikale entstehen natürlicherweise im Körper, zum Beispiel bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien. Ihr Ziel ist es, ihren instabilen Zustand zu stabilisieren, indem sie ein fehlendes Elektron aufnehmen. Dazu greifen sie auf andere Strukturen im Körper zurück, um das Elektron zu "stehlen".
Ein bekanntes Beispiel ist die Lipidperoxidation, bei der freie Radikale Elektronen aus der Lipiddoppelschicht der Zellmembran entnehmen. Ebenso können sie die DNA angreifen, indem sie Elektronen aus den DNA-Basen entfernen. Dieser Prozess führt zu Schäden, da die betroffenen Moleküle ihre ursprüngliche Funktion verlieren. Sie greifen die Struktur und Funktion von Proteinen an und können Entzündungsreaktionen im Körper bewirken und Alterungsvorgänge begünstigen. Insgesamt wirken freie Radikale also destabilisierend, da sie ihren stabilen Zustand auf Kosten anderer Moleküle erreichen wollen.
Matthias Salewski: Oxidativer Stress ist an zahlreichen Krankheitsprozessen beteiligt. Besonders auffällig ist seine Rolle bei der Alterung sowie bei Entzündungsprozessen (Inflammation). Symptome wie chronische Müdigkeit oder Erschöpfung können darauf hinweisen, da die Mitochondrien bei oxidativem Stress nicht mehr effizient arbeiten und weniger ATP (Energie) produzieren. Auch wiederkehrende Entzündungen oder schwer zu behandelnde chronische Erkrankungen stehen häufig in Zusammenhang mit freien Radikalen und oxidativem Stress.
Besonders anfällig für oxidativen Stress sind Haut, Haare und Augen. Auch chronische Entzündungen, häufige Infektionskrankheiten und kognitive Beeinträchtigungen können auf oxidativen Stress hindeuten. Als häufigste Erkrankungen, die mit oxidativem Stress einhergehen, sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, neurodegenerative Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ2, chronisch entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn, Psoriasis, Lungenkrankheiten, Augen- und Hauterkrankungen.
Besonders auffällig ist seine Rolle bei der Alterung sowie bei Entzündungsprozessen (Inflammation).
Matthias Salewski: Nicht unbedingt. Freie Radikale haben auch positive Wirkungen im Körper. Sie helfen zum Beispiel bei der Abwehr von Viren und Bakterien, indem sie diese vernichten. Außerdem spielen sie eine Rolle bei bestimmten Signalübertragungsprozessen im Körper und tragen so zur Regulierung wichtiger biologischer Prozesse bei.
Oxidativer Stress ist ein komplexes Phänomen, das sowohl schädliche als auch nützliche Auswirkungen hat. Während eine Überproduktion freier Radikale die Gesundheit gefährden kann, sind sie in kontrollierten Mengenessenziell für die Immunabwehr und Zellkommunikation.
Matthias Salewski: Oxidativer Stress entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen freien Radikalen und den antioxidativen Abwehrmechanismen des Körpers. Es wird zwischen externen und internen Ursachen von oxidativem Stress unterschieden:
Unsere westliche Ernährung spielt dabei eine entscheidende Rolle. So kann z.B. ein typisches Burger-Menü, das wir uns gelegentlich gönnen, Entzündungen im Körper auslösen kann. Grund dafür ist die ungünstige Kombination der Inhaltsstoffe, insbesondere der hohe Gehalt an Omega-6-Fettsäuren, Transfette aus frittierten und überbackenen Speisen, die große Menge an Salz, und Zucker zu Entzündungen Darüber hinaus führt eine Ernährung, die arm an Antioxidantien ist, zu einem erhöhten Risiko für oxidativen Stress.
Antioxidantien sind wichtig, weil sie freie Radikale neutralisieren können, indem sie ein Elektron abgeben und so deren schädliche Wirkung unterbrechen. Neben der Ernährung gibt es weitere Faktoren, die oxidativen Stress begünstigen. Rauchen, Bewegungsmangel und die damit verbundene Gewichtszunahme fördern Entzündungsprozesse im Körper. Auch Stress spielt eine zentrale Rolle. Die unter Stress ausgeschütteten Katecholamine können selbst zu freien Radikalen werden und die Situation verschlimmern.
Um oxidativen Stress zu reduzieren, ist ein bewusster Lebensstil entscheidend. Eine gesunde, antioxidantienreiche Ernährung, regelmäßige Bewegung, gesunder regenerativer Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress können helfen, das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen und langfristig zu erhalten.
Matthias Salewski: Oxidativer Stress muss immer organspezifisch betrachtet werden, da er sich je nach Organ unterschiedlich auswirkt. Die Haut ist beispielsweise ein Organ, das besonders anfällig für oxidativen Stress ist. Dies liegt unter anderem an der täglichen UV-Strahlung, der wir beim Sonnenbaden ausgesetzt sind. Diese Strahlung kann in der Haut freie Radikale und damit oxidativen Stress auslösen.
Ein anderes Beispiel ist das Auge: Hier gilt der Graue Star (Katarakt) als eine Erkrankung, die durch freie Radikale hervorgerufen wird. Auch Diabetes wird mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht, insbesondere durch die Bildung sogenannter AGEs (Advanced Glycation Endproducts). Bluthochdruck ist ebenfalls eine Zivilisationskrankheit, die durch oxidativen Stress beeinflusst werden kann.
Auch Gelenkschäden, insbesondere Knorpelschäden, können mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht werden. Herz-Kreislaufkrankheiten, Krebs und degenerative Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems sind hier zu nennen.
Grundsätzlich kann man sagen, dass viele moderne Zivilisationskrankheiten durch oxidativen Stress begünstigt werden oder mit ihm in Zusammenhang stehen.
Matthias Salewski: Es gibt interne und externe antioxidative Faktoren. Zu den internen Faktoren gehören Enzyme, die bei der Entgiftung freier Radikale helfen. Hierzu zählen die Superoxiddismutase, die Super-Oxid-Radikale in H2O2 umwandelt, die Katalase, die Wasserstoffperoxid (H2O2) in Wasser (H2O) und Sauerstoff (O2) abbaut und die Glutathion-Peroxidase neutralisiert Wasserstoffperoxid (H2O2) und Lipidperoxide, indem es das Tripeptid Glutathion verwendet.
Zu den externen Antioxidantien gehören Substanzen, die wir mit der Nahrung aufnehmen, wie Vitamin C und Vitamin E, Carotinoide, Polyphenole, Selen, Zink, Coenzym Q10. Diese Antioxidantien sind vor allem in Obst und Gemüse enthalten. Daher wird einer pflanzenbetonten Ernährung besondere Bedeutung beigemessen. Sie kann oxidative Prozesse im Körper abschwächen. Die Entstehung von freien Radikalen kann zwar nicht vollständig verhindert werden, aber wir können ihr durch eine entsprechende Ernährung entgegenwirken.
Matthias Salewski: Um oxidativem Stress entgegenzuwirken, spielt die Ernährung eine zentrale Rolle. Wichtig zu nennen sind Ballaststoffe, die vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen. Sie fördern die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren wie Butyrat, Propionat und Acetat. Diese kurzkettigen Fettsäuren, werden von bestimmten Darmbakterien aus Ballaststoffen gebildet und haben eine schützende Wirkung auf den Körper haben. Besonders empfehlenswert sind ballaststoffreiche Lebensmittel wie grünes Gemüse und Blattgemüse.
Auch Polyphenole, also sekundäre Pflanzenstoffe, helfen ebenfalls, oxidativen Stress abzubauen. Polyphenole erkennt man oft an den intensiven Farben von Obst und Gemüse. Beerenfrüchte wie Heidelbeeren, Himbeeren und Erdbeeren gelten als besonders reich an Antioxidantien. Vitamine spielen eine große Rolle: Vitamin C, welches in Zitrusfrüchten und vielen Obst- und Gemüsesorten enthalten ist und Vitamin E, welches in Nüssen (z.B. Walnüssen) und hochwertigen Pflanzenölen zu finden ist. Brokkoli enthält schwefelhaltige Verbindungen, die den Entgiftungsprozess des Körpers unterstützen und somit auch gegen oxidativen Stress helfen. Gesunde Fette, insbesondere aus Ölen wie Olivenöl, stehen an erster Stelle, wenn es um den Schutz vor oxidativem Stress geht.
Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Ernährung, die reich an grünem Blattgemüse, Beerenfrüchten, gesunden Nüssen, Olivenöl und ballaststoffreichen Lebensmitteln ist, eine ideale Grundlage bietet, um oxidativen Stress zu reduzieren und die Gesundheit zu fördern.
Matthias Salewski: Die wichtigste Frage beim oxidativen Stress ist, wie der Körper aktiv gegensteuern kann. Ein zentraler Aspekt ist der Schlaf: Er spielt eine wesentliche Rolle, um Schadstoffe abzubauen und Regenerationsprozesse zu unterstützen. Es lohnt sich, den eigenen Schlaf genauer zu analysieren, zum Beispiel mit Hilfe moderner Geräte, die ein Schlaftracking ermöglichen. Dabei sollte auf die Dauer der Tiefschlaf- und REM-Phasen sowie auf die Gesamtschlafdauer geachtet werden.
Neben dem Schlaf ist körperliche Bewegung, vor allem im aeroben Bereich, entscheidend. Zwar ist auch anaerobe Bewegung möglich, aber um die Bildung weiterer freier Radikale zu vermeiden, sollte der Schwerpunkt auf aeroben Aktivitäten liegen. Darüber hinaus helfen Entspannungstechniken wie Atemübungen, Yoga oder Meditation, den Parasympathikus zu aktivieren und psychischen und psychosozialen Stress abzubauen. Und abschließend muss ich noch einmal betonen, dass die Ernährung eine zentrale Rolle spielt. Sie sollte möglichst abwechslungsreich und ballaststoffreich sein und viel Obst und Gemüse enthalten, um den Körper mit antioxidativ wirkenden Nährstoffen zu unterstützen.
Matthias Salewski: Über die Ernährung kann man relativ viel gegen oxidativen Stress tun. Eine zusätzliche Nährstofftherapie ist eher zweischneidig. Man muss immer aufpassen, dass man es nicht übertreibt. Es gibt Studien, die zeigen, dass eine langfristige Einnahme von hohen Mengen an Antioxidantien die positiven Effekte der Oxidation unterdrücken kann. Das kann dazu führen, dass es manchen Menschen schlechter geht, weil der Körper dann Infektionen schlechter abwehren kann. Außerdem entwickeln sich im Laufe des Lebens sogenannte seneszente Zellen, also alternde Zellen, die abgebaut werden müssen. Für diesen Prozess sind freie Radikale wichtig, denn sie helfen, diese Zellen zu beseitigen. Wird diese natürliche Funktion durch zu viele Antioxidantien unterdrückt, kann dies kontraproduktiv sein.
Sinnvolle Nährstoffe sind Vitamin C und Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren mit ihrer entzündungshemmenden Wirkung, Vitamin D, Coenzym Q10 zur Unterstützung der Mitochondrien und Selen, das die Entgiftung fördert. Dennoch würde ich davon abraten, diese Stoffe einfach blind zuzuführen. Stattdessen empfehle ich, zunächst die Werte zu messen, dann gezielt zu therapieren und nach einiger Zeit erneut zu messen, um sicherzustellen, dass die Substitution nicht über das empfohlene Maß hinausgeht.
Sinnvolle Nährstoffe sind Vitamin C und Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren mit ihrer entzündungshemmenden Wirkung, Vitamin D, Coenzym Q10 zur Unterstützung der Mitochondrien und Selen, das die Entgiftung fördert.
Matthias Salewski: Suchen Sie eine Praxis auf, die sich mit Nährstofftherapie und funktioneller Medizin, also Ursachenmedizin, beschäftigt. Wir arbeiten z.B. mit Laboren zusammen, die sicher und objektiv messen können. In der Praxis selbst findet erst einmal eine umfassende Beratung statt. Die Patienten erhalten eine individuelle Laborempfehlung, die speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. Nach der Messung werden die Ergebnisse gemeinsam besprochen und es wird geprüft, ob die vorgeschlagene Therapie angepasst werden muss - sei es durch Reduzierung oder Ausweitung bestimmter Maßnahmen. Sicherlich gibt es in jeder Stadt Ärzte, die sich zusätzlich mit diesen Themen beschäftigen, aber es ist wichtig zu betonen, dass solche Messungen und Therapievorschläge nicht im Rahmen der klassischen Schulmedizin angeboten werden.
Matthias Salewski: Die Zeitdauer für die Untersuchung der Nährstoffe und des oxidativen Stresses können je nach Ausmaß der Labordiagnostik variieren. Es kommt auf den Umfang der gemessenen Nährstoffe an. Bei speziellen Analysen kann es jedoch durchaus zwei bis drei Wochen dauern, bis die Ergebnisse vorliegen, da diese mit speziellen Analysegeräten bearbeitet werden. Sobald die Ergebnisse vorliegen, erhält der Therapeut sie und bespricht sie ausführlich mit dem Patienten.
Die Kosten hängen ebenfalls stark davon ab, welche und wie viele Parameter untersucht werden sollen. Prinzipiell ist fast alles messbar. Freie Radikale kann man direkt oder indirekt messen, zum Beispiel über die Lipidperoxidation, bei der freie Radikale mit Zellmembranen reagieren. Häufig wird auch eine DNA-Base wie Desoxyguanosin untersucht, um festzustellen, ob freie Radikale bereits mit der DNA interagiert haben. Darüber hinaus können die Funktion der Mitochondrien, der Mineralstoff- und Vitaminstatus im Vollblut, Aminosäuren sowie der Fettsäurestatus im Blut untersucht werden.
Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Allerdings sind diese Untersuchungen nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten und die Kosten richten sich nach Umfang und Art der gewünschten Analysen.
Matthias Salewski: Dazu gehören die bereits genannten Maßnahmen wie regelmäßige aerobe Bewegung, ausreichender und erholsamer Schlaf sowie eine Ernährungsumstellung hin zu einer gesünderen, pflanzenbetonten Kost. Gegebenenfalls können Nährstoffe über einen begrenzten Zeitraum und unter regelmäßiger Kontrolle supplementiert werden, um Defizite auszugleichen.
Liegen jedoch bereits Erkrankungen wie Diabetes oder Herzkrankheiten vor, die häufig mit freien Radikalen in Verbindung gebracht werden, ist zunächst eine schulmedizinische Therapie unumgänglich. Dennoch ist es wichtig, nach den Ursachen zu suchen. Spielen freie Radikale eine Rolle, sollten parallel weitere Maßnahmen ergriffen werden. Ein entscheidender Ansatz ist die Unterstützung der Darmgesundheit, da viele Prozesse über den Darm und die Darmflora beeinflusst werden. Häufig kommt es zur sogenannten "silent inflammations" - schleichenden Entzündungen, die zur Bildung von freien Radikalen beitragen können.
Daher empfehle ich in solchen Fällen, das Mikrobiom gezielt zu sanieren und die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies ist nicht nur für eine optimale Aufnahme von Nährstoffen wichtig, sondern auch ein zentraler Schritt, um langfristig Schäden durch oxidativen Stress zu vermeiden. Eine Untersuchung des Mikrobioms und eine gezielte Wiederherstellung der Darmflora halte ich daher für unerlässlich.
Danke für das Interview!
Letzte Aktualisierung am 17.02.2025.